Begegnungen im Alltag Brandenburgs

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Froylein Puze

Kleinstadtkasse in der Prärie Brandenburgs

Umschwebt von Melodien, die an den Händen kitzeln und mich dazu verleiten doch noch eine Haselnuss mehr in mein Beutelchen zu packen, umschiffe ich die Schluchten und Untiefen des Billigmarktes von nebenan. An Bord bereits Gemüse und ein Päckchen Kakao, fairtrade versteht sich.

Natürlich ist mir bewusst, dass die Arbeiter auf den Cacaobohnenfeldern höchstens mal ungefair gleich getreten worden sind und jeden Abend eben so ausgebeutet nach hause gehen, wie ihre Kollegen, die für den Discounter arbeiten, den ich aus Gewissensgründen nie besuche ABER mensch muss sich ja auch ernähren.

Das übrigens schnellstens, denn mein Magen grummelt wie die anderen Mitkonsumenten um mich herum finstere Botschaften, geradewegs den grellbepackten Regalen entgegen. Also nichts wie zur Kasse gehoppelt. Mit einem leicht angewiderten Zucken um die Mundwinkel lege ich meine Grünfuhre auf das Band. Scheinbar ist diese Ladung das Sauberste, was es heute transportiert hat und Plastiktüten, bitte! Plastik gleich Erdöl, das weiß ja jedes Kind. Revolutionär sein, dass ist schon ein hartes Brot. Noch stärker wird mir das bewusst, als ich die Strichdame-pardon Kassiererin- sehe.

Trotz ihres fortgeschrittenen Alters von geschätzten 43 Jahren war sie sich nicht zu schade, derartige Schminkbandagen aufzulegen wie die modernen 13-jährigen, die bereits wie 17 aussehen. In Kombination mit ihrer etwas befleckten grau-rosa farbenen Nickijacke wirkte das aber widerum stimmig. Nun will ich nicht weiter irgendein schlechtes Klischee bedienen und auch noch ihren etwas vom Doppelkinn überladenen Falschgoldschmuck oder ihre Plastikfingernägel erwähnen, nein, so bin ich ja gar nicht. Was mich allerdings ganz anders werden ließ, war ihre nonchalante Art mein und ich wiederhole MEIN Essen über das durchsichtige Fenster, das Piep macht, zu schleifen. Die Christen im Kolosseum sollten sich nachträglich entschuldigen, so schlimm war es nicht von Bestien oder ausgebildeten Kämpfern durch den Arenasand gezogen zu werden. Zumindest kann es nicht so schlimm ausgesehen haben, wie das, was sich da vor meinen Augen abspielte.

Ganz höflich und mit honigsüßer Stimme wohl aber nicht weniger entsetzt, sprach ich die nette Dame an: „Entschuldigen Sie bitte, das wollte ich noch essen.“ Und wer Wind säht, der wird Sturm ernten. Nun, hätte ich das vorher kommen sehen, hätte ich mich in Windeseile, wenn nicht sogar stürmisch vom Acker gemacht.

„Dat sind die Richtijien! Immer mecker se! Soll se sich doch selba ma die Hände dreckig machen!“ Tja aber genau da liegt doch der Unterschied, sie griesgrämige Vettel- und da ich davon ausgehe, dass Sie sich der Tatsache nicht bewusst sind: Vettel hat nicht zwangsläufig etwas mit fett zu tun, auch wenn das bei Ihnen zusammenfällt. Aber zurück zu Ihrer wohlartikulierten Äußerung: da ich die nötigen Kompetenzen nicht erworben habe, um die Stelle einer Verkäuferin in einer Handelskette auszufüllen, lasse ich es. Das hätten Sie sich wohl auch beizeiten überlegen sollen.“

Aber so manch gut gemeinter Ratschlag mauserte sich zum Rückschlag und es sind ja immer die Boten, die die Nachricht ausbaden müssen. „Ich nahm an, dass die Lebensmittel, die Sie hier verkaufen, sauber seien.“, dabei wollte ich es belassen, aber ein gepflegter Konjunktiv scheint mehr Menschen zu verunsichern, als eine handfeste Koddrigkeit. „Will Se sich jetzt ooch noch beschweren? Sieht se nich, dass ich noch ne janze Schlange zu stehen hab?“ Die Frau hatte gut reden, ich musste zu allem Übel bezahlen, auf das die Kleinstadtkassen munter klingeln…

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