Totenkopf + Kuhdamm

Bearbeitet

Landzunge am Heidekrug

Mein Lieblingsort in Brandenburg an der Havel beginnt am Heidekrug. Weiter Richtung Totenkopf, am Kuhdamm(-graben) vorbei, um die Landzunge herum, bis zum Plauer Hof laufe ich auf dem Deich. Weil ich hier den Kopf frei bekomme. Denn das Gelände ist nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu umrunden.

Stadtauswärts hat eine Schafherde ihre Heimstätte. Neugierig und ohne Scheu begrüßen sie blökend jeden, der an diesem Ort vorbeikommt. Am Totenkopf beginnt der Deich. Die Brücke teilt die Straße, mit ihr endet der gleichförmige Lauf des Kanals und es öffnet sich eine eindrucksvolle Ferne ohne die Endlichkeit im Dunst wahrzunehmen.

Manchmal begegnen sich Schiffe, es sieht so aus als ob sie sich in diesem Moment mitteilen und auf eine besondere Art Meldung machen wollen.

Ein Wechselspiel –  je nach Tageslicht – von Wasser und Feld erwartet mich. Hier ist Raum für krachenden Sturm. An keinem anderen Ort ist der Himmel so endlos weit für mich. In jedem Fall ist er bei Wind oder Regengefahr zu empfehlen, im Morgengrauen oder im Abendrot

Dirk Ehlert

 

 

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Pfeiler im Strom

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Unter der alten Plauer Brücke

 

Sie beeindrucken mich. Beide.

Seit ich hier lebe, bewundere ich sie.

Besonders beim Frühjahrshochwasser, wenn ganz viel Havel nach Norden drängt.

Zur Elbe. Zur Nordsee.

Die Reusenstangen zittern dann im Strom.

Sie zittern nicht. Sie sind unerschütterlich. Steinern.

Sie haben Charakter.

 

Sie machen ihre Arbeit. Beide.

Sie tragen die stählerne Brücke.

Schon über hundert Jahre.

Regentropfen haben den Stahl  zum Rosten gebracht.

Ihnen konnte das Wasser nichts anhaben.

Seit über hundert Jahren.

Der stete Tropfen höhlt nicht jeden Stein.

 

Sie stehen fest. Beide.

Nichts verrückt sie.

Sie sind stark.

Stärker als das Wasser.

Es muss sich teilen, um an ihnen vorbeizukommen.

Man muss nicht unbedingt gegen den Strom schwimmen.

Stark ist auch, wer nicht mit ihm schwimmt.

 

Udo Geiseler

 

 

 

Sven Beuter

 

Sven Beuter

Für mich hat Brandenburg an der Havel viele schöne und auch ruhige Ecken, jedoch gibt es einen Ort, mit dem ich mehr als mit den anderen verbinde. Es handelt sich um die Gedenktafel für Sven Beuter in der Havelstraße. Sie wurde am 09. Mai 2007 verlegt und erinnert an den 23-jährigen Punk, der am Abend des 15. Februar 1992 von dem Neonazi Sascha L. angegriffen und so schwer verletzt wurde, dass er fünf Tage später seinen Verletzungen erlag.

Seit nunmehr zehn Jahren befasse ich mich mit dem Themenbereich Neonazismus und weiß sehr genau, was diese Ideologie ausmacht: Ausgrenzung, Hass, Rassismus und nicht zuletzt Gewalt, die bis hin zum Tode von Menschen führt, die nicht in das Weltbild von alten und neuen Nazis passen.

Der Mord an Sven Beuter war der traurige Höhepunkt neonazistischer Gewalt in den  1990er, denn brutale Übergriffe und Auseinandersetzungen zwischen Antifaschist_innen und Neonazis waren an der Tagesordnung. Diese ließen erst nach dem Mord langsam nach. Seit 1997 gibt es jährliche eine Gedenkveranstaltung am 15. Februar in der Havelstraße auf der immer wieder an die abscheuliche Tat erinnert und auf die rechten Tendenzen in der heutigen Gesellschaft hingewiesen wird. Diese Gedenktafel mahnt mich, mich weiter gegen diese Ideologie zu engagieren, andere zu überzeugen es mir gleich zu tun und konsequent einzuschreiten, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Lebensstils angefeindet werden. So werde ich auch dieses Jahr wieder am 15. Februar in die Havelstraße gehen, um Blumen niederzulegen und dem jungen Mann zu gedenken.

 

Paul Fischer

 

 

 

Bootshäuschen am Domstreng

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Mit der Nase an der Havel und dem Rücken zum Dom.  Das verträumte Bootshäuschen am Domstreng lässt uns sinnieren darüber, was es zu erzählen hätte und was aus ihm bald werden könnte. Für uns war es, ungeachtet  des Namens, immer ein alte Backhäuschen, in dem die Bewohner der Dominsel im Mittelalter zusammen Brot, Kuchen und zu Festtagen Plätzchen buken. Die Gaukler und fahrenden Sänger bekamen die knusprigen Kanten und spielten zum Dank muntere Musik für die Backleute. Während wir selbst auf der Wiese gegenüber unsere mitgebrachten Keksen vom Altstadtbäcker knabbern, malen wir uns das bunte Treiben aus.

Und sind insgeheim froh, dass es noch unbehelligt vom Baugeschehen ringsum dasteht. Wie schön, dass es sie noch gibt, diese vergessenen Fleckchen aus vergangenen Zeiten, von etwas verblichener, bröckelnder Schönheit,  dazu geeignet, Phantasien anzuregen.

Synnöve Pogadl